Es wird wieder einmal viel gesagt, es bleibt einem nichts erspart, obwohl bereits alles vorhanden und schon längst vage erdacht. Es wird viel gegähnt und nicht gelacht, müde schmelzende Gestalten, die sich die Mittagspause herbeifantasieren. Die Pause wirkt unendlich weit entfernt. Halte mich jedoch am seidenen Faden des Bewusstseins, so wie ich es meist tue, wenn sich mir die Abgründe auftun, wenn ich den Schlaf und seinen Bruder nunmal heute nicht zu Gast haben möchte: Ich schreibe.
Nun bin ich scheinbar angekommen, angekommen an dem Punkt, an dem der Überdruss endgültig zu obsiegen scheint. Bin es leid euer Geschwätz und euer Gewäsch zu hören. Ich sage nicht, ich wäre euch überlegen, oder besser. Eher im Gegenteil: Ihr seid in dem was ihr nunmal tut, dem Geschwätz und dem Gewäsch, deutlich besser als ich. Was ich ursprünglich sagen wollte: Es hat nunmal eben alles seine Zeit.
Ich saß gerne und hörte ebenso; langweilte mich oft, habe dennoch den Faden nie gänzlich verloren. Jetzt aber trenne ich ihn von mir ab, den faden Beigeschmack, deutlich und bewusst. Kappe die einstigen Seiler, lege ab, sitze im eigenen Boot. Fahre und schaukle bis ich wieder Sehnsucht nach dir habe, mein Hafen, mein Ufer, meine Andockstation.
Euch gibt es, ja!, doch mich eben auch. Sag Adé!, das sage ich auch. Du warst gut zu mir liebe Universität, hast mir die ein oder andere Freiheit gezeigt. Hast mich gepeitscht und erniedrigt, unterdrückt und wie eine abstrakte Zahl behandelt. Wir lernten demnach viel voneinander. Ein Abschlussgeschenk mache ich dir noch. Drei Monate gehen wir noch Hand in Hand, auch wenn ich bereits fühle, dass der Händedruck allmählich immer geringer wird; dass wir unsere Kräfte nicht mehr gegenseitig erfrischen.
Du gehst deinen jahrhundertealten Weg, ich geh bald den meinigen, den frischen, gefährlichen, allerdings lebendigen. Der Respekt bleibt bewahrt. Das Herz wird befreit. Alles in allem ein schönes Herzeleid.
Dein Kommilitone, Verehrer und Feind
2750670
