Fluchen statt wünschen
Wir wünschen uns eine Sicherheit.
Wir möchten die Butter auf dem Brot.
Bevorzugen die Wärme gegenüber dem Ausgesetztsein,
Während wir vermeintlich genießen, bestellen wir nach.
Die Unabhängigkeit ist ganz vorne mit dabei!
Kriecherei dulden wir als Mittel zum Zweck.
Können gar nicht mehr denken, ohne zu wünschen.
Wünschen und Ruhe und Ordnung, hie und da eine Schweinerei.
Geben kund: „Das möcht ich sein, dort will ich hin!“
Wünschen uns wund, ohne Rücksicht: „Ich steh im Mittelpunkt!“
Wollen dies, wollen das, Haben ist Mittelmaß!
Verkehrt herum! Ist das etwas in Ordnung?
Zum Namenstag, Geburtstag oder Neujahr,
Zu Ostern, zu Weihnachten und Midsommar.
Junge oder Mädchen? Was wünschst du dir?
In die Wiege wurde bereits die Begierde gelegt.
Verlangen: Ist es das, was uns am Leben erhält?
Der Wunsch: ein bitter-süßer Geruch,
Ist es nicht vielleicht doch unser größter Fluch?
Die Jugend
Gnadenlos gehen wir unter,
Kunterbunt spielen wir die Jugend,
Munter und gnadenlos müssen wir sie feiern.
Sie zu etwas stilisieren, das sie niemals war.
Eine Metapher der Blüte, ein Prozess der Reife.
Ständig und jetzt, immer und sofort.
Diese unsere Grauzone ist ein weites Feld.
Sie raucht Pfeife, sie spürt den Teer, sie ist ein Held.
Frei von Vielem, belastet mit Allem.
Durch Humor baut sie sich die Brücken.
Die wenigsten springen,
Die meisten tanzen und singen.
Pessimismus durch Überfülle,
Selbst auferlegtes Schweigen wird teuer bestraft,
Der Strick im Übergang
Die Schönheit im Werden
Alles flutet und überschwemmt
Der Maßstab hemmt!
Dichte (Vom Glück alleine zu sein)
Ich stell mir vor:
Er kommt herein, knüpft den Schal an den Haken.
Sie kommt vorbei, setzt sich auf den Hocker.
Es knallt. Notizblöcke auf den Tisch!
„Lieber Herr Kellner, bekomme ich einen Stift?“
Er schreibt, stutzt, grübelt und kritzelt.
Sie wütet stirbt und trinkt Bordeaux.
Aus zwei Blättern werden zehn.
Die ganze Bar ist voll, wer zur Hölle der Mäzen?
Sie sudeln, blicken auf, trinken hastig.
Artig setzen sie die Zigarette in die Fuge,
Denken weiter, schreiben auf, auf , aufs Papier.
Sie sehen mich, halten inne, wüten drastisch.
Eine Tragödie, Poesie, eine Sentenz.
Am liebsten bin ich alleine, ohne jeden Scherz
Wenn jeder soviel Gedichte, wie Alkoholika am Abend,
Oh mein Steppenwolf, was wäre das ein Kommerz!
