Tankstellen und Friedhöfe

17 12 2011

Die Sense

Die gute alte Sense,

Wäre sie nicht, wären wir nicht.

Alles wäre gleich, nicht gut, nicht schlecht,

Weder gerecht noch ein Geschlecht.

Sie schneidet und stutzt,

Ganz von alleine,

Ohne zu fragen, zuviel, zuwenig, es ist unser,

Ihr ist es überlassen.

Mal sitzen wir still, sie erwischt uns nicht.

Mal rennen wir weg, sie kommt geflogen.

Wir springen ihr von der Schippe,

Nur um zu wissen, dass sie bald tiefer schnitzt.

Sie ist echt,

Wir sind Produkt.

Lass sie uns schärfen,

Mit ihr tanzen,

Mit ihr wedeln,

Mit ihr mähen.

Je stumpfer wir sie fürchten,

Desto ärger ist sie unser Feind.

Sie stutzt und schneidet,

Aber nicht den Freund!

Entkernen

Unter der Decke und nicht gefroren.

Du deckst dich einfach zu mit wärmenden Gedanken.

Das Laken war kalt,

Wir jedoch nicht!

Wir wollen und wärmen

Es sitzt tief in unseren Gedärmen

Müssen nur entkernen!

Müssen schauen in die Ferne!

Uns selbst lehren zu verlernen,

Zu streichen das Quartett,

Das Solo im Gepäck.

Der Damm im Fluss

Punkte, Stationen,

Stufen und Kapitel.

Überall Punkt und Komma.

Wir müssen atmen

Ganz im Fluss?!

Gibt es nicht.

Alles braucht Ruhe und Leben.

So sind wir nunmal,

Du und Ich.

Bei mir

Hermann mein Freund,

Du sitzt gegenüber,

Du schreibst.

Vermiss dich, du bist so fern.

Bist du es der kritzelt,

Bin ich es der krakelt?

Ach, wir schreiben so gern.

Du schreibst mich

                            und

Ich schreibe dich.

Wir sind vom selben Stamm,

Ganz nah am Boden und doch mit Krone,

Es ist unsere?!

Ich hoffe du teilst?

Ich hoffe du teilst!

Fünf Zacken für Zwei,

Einerlei!

Spannung

Du kannst greifen,

Wie der Schuss im stillen Wald,

Die Stille durchschallt,

Die Leere durchbricht

Von Gesicht zu Gesicht?

Kann ich mir nicht vorstellen!

Kannst du dich mir vorstellen?

Wo bleibst du?

Siehst du etwa nicht?

Ich bin darauf erpicht!

Vom Fluss verbrannt

Jack London hat ausgeschlafen.

Mehr sind nicht drin,

Fünf Stunden für die Organe,

Der Rest ist Gift.

Keine vier Dekaden

Es wäre ihm zu schade.

Zögernd braucht er sich nicht,

Erpicht, ein brennender Fluss,

Er lässt sich nicht vergeisseln,

Er ist zu Selbst, zu sehr Ich.

Beneidenswert verbrannt,

Zwar zu Tode gesoffen,

Dennoch nie verrannt!

Unterschätzt

Aschgrau steckt im Jackett,

Wo bleibt die Farbe Matrose?“

Sie steckt im Unterhemd,

Schon lange versteckt.

Mein Maske ist echt!

Sie zerbricht nicht,

Weder am Südpol

Noch am Nordpol.“

Ich habe dich unterschätzt.“

Zwischen Sieden und Gefrieren,

In der Grauzone daheim.

Wir wandeln aschgrau,

Die Sonne im Rücken,

Den Tod vor dem Gesicht.

Nur nicht gerinnen

Verhalten motiviert,

Gespenstisch begeistert.

Die Spirale kippt,

Mal nach oben,

Mal nach unten.

Was ist schon Oben und Unten.

Gleich darf es jedenfalls nicht sein.

Auf halber Höhe am Zenith,

Das Blut läuft nur langsam,

Berg auf, Berg ab.

Der Siedepunkt weit entfernt.

Wie fühlt sich das nochmal an?

Zum Glück sind Spiralen rund.


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